Schon früh musste Danny Verantwortung übernehmen und eigene Wege finden, nachdem seine Kindheit von familiären Problemen geprägt war. Trotz schwieriger Lebensumstände hat er sich durch Ausbildung und Arbeit seinen Weg ins Erwachsenenleben erkämpft und sich dabei nie unterkriegen lassen.
Ich heiße Danny Dehning, bin 38 Jahre alt und kom-me gebürtig aus Lüneburg. Meine Kindheit habe ich hier in Kaltenmoor verbracht. Ich ging auf die Anne-Frank-Schule, wo ich sowohl die Orientierungsstufe als auch die Hauptschule besucht habe. Danach folgte die Berufsschule und schließlich machte ich eine Ausbildung als Metallbauer. Das war eine spezielle Metallmeisterschule, bei der auch Menschen unterstützt wurden, die es etwas schwerer hatten. Ich war sehr froh über den Stützunterricht, denn so konnte ich die Ausbildung gut schaffen. Drei Jahre dauerte das Ganze – und ich schloss sogar mit zwei Schweißerscheinen ab, im Aluminium- und im Rohrbereich.
Nach der Ausbildung habe ich fünf Jahre lang in meinem Beruf gearbeitet. Der Betrieb, in dem ich angestellt war, lag in Örzen, und dort habe ich gutes Geld verdient. Mit diesem Einkommen konnte ich mir meine erste eigene Wohnung leisten – über die Lüwobau, ganz in der Nähe meiner Oma. Es war eine schöne Zeit. Doch irgendwann merkte ich, dass der Beruf nichts für mich war. Ich leide unter Höhenangst und das Arbeiten auf hohen Gerüsten war für mich jedes Mal eine große Überwindung. Zudem hatte ich aus meiner Zeit in Kaltenmoor ein paar traumatische Erlebnisse mit Höhe, die mich bis heute prägen.
„Ich habe oft Angst, dass mir alles über den Kopf wächst.“
Nach meiner Zeit im Metallbau habe ich einen neuen Weg eingeschlagen und begann, bei einer Gebäudereinigung zu arbeiten. Meine Oma meinte damals: „Geh doch putzen!“ – und weil ich Sauberkeit schon immer mochte, probierte ich es aus. Doch dann kam das Schicksal dazwischen: Auf dem Weg zur Arbeit wurde ich von einem Auto angefahren und musste ins Krankenhaus. Vier Monate war ich auf Krücken angewiesen. Da ich noch in der Probezeit war, verlor ich den Job – das war ein schwerer Rückschlag. Nach meiner Genesung fing ich bei Quickburger an, wo ich für die Sauberkeit zuständig war. Leider ging der Laden pleite – und so landete ich das erste Mal auf der Straße. Es kam, wie es kommen musste: Ich verlor den Überblick über meine Briefe, bekam Angst vor der Realität und öffnete irgendwann keine Rechnungen mehr. Die Schulden sammelten sich, bis ich schließlich aus der Wohnung flog. Mit Tüten voller Briefe und Mahnungen ging ich zum „Wendepunkt“, einer Beratungsstelle der Diakonie. Dort wurde mir zum ersten Mal wirklich geholfen – man brachte Ordnung in das ganze Chaos, half mir, eine Insolvenz anzumelden und begleitete mich auf dem Weg zurück in ein geregeltes Leben. Dafür bin ich bis heute dankbar.
Danach lebte ich eine Zeit lang im Garten meiner Mutter, in einer kleinen Gartenkolonie. Es war ruhig, friedlich, fast idyllisch – aber natürlich keine Dauerlösung. Nach einem halben Jahr musste ich raus. Zuerst wohnte ich in einer 1-Zimmer-Wohnung in der Baumstraße, später in einer Unterkunft in Westergellersen – und zwischendurch sogar eine Zeit lang in einer Garage in Kaltenmoor. Um über den Winter zu kommen, musste ich erfinderisch sein – ich finanzierte mir Gasflaschen zum Heizen und Kochen, teilweise auch mit Dingen, die nicht ganz legal waren. Darauf bin ich nicht stolz, aber damals schien es der einzige Weg. Ich bin bereits mit zehn Jahren von zu Hause ausgezogen. Meine Eltern hatten sich getrennt, meine Mutter hatte neue Partner und mit einem von ihnen gab es einen schlimmen Streit. Ich ging mit einem Baseballschläger auf ihn los. Danach wollte meine Mutter mich ins Kinderheim geben – und so zog ich zu meiner Oma, die für mich zur wichtigsten Bezugsperson wurde. Sie war mein Halt, hat immer dafür gesorgt, dass ich etwas zu essen hatte, zur Schule ging und meine Arbeit ernst nahm. Ohne sie wäre vieles anders gekommen.
Mit Alkohol konnte ich nie etwas anfangen – aus mehreren Gründen. Zum einen mochte ich den Geschmack nicht, zum anderen war mein Vater Alkoholiker und hatte meine Mutter einmal fast totgeschlagen. Wenn ich Alkohol rieche, kommen sofort schlechte Erinnerungen hoch. Ich habe stattdessen früh angefangen zu kiffen, weil es mir half, ruhig zu bleiben. Später kamen härtere Sachen dazu – doch als Freunde anfingen, alten Frauen die Handtaschen zu stehlen, um an Geld zu kommen, wusste ich: Das ist nicht mein Weg. Ich dachte sofort an meine Oma und die Vorstellung, dass ihr so etwas passieren könnte, war für mich unerträglich. Ich musste irgendwann lernen, mit meiner Abhängigkeit umzugehen. Ich fand eine Balance zwischen meinem Konsum und dem, was ich mir leisten konnte. Das Kiffen half mir auch bei meinen Migräneanfällen, die ich damals häufig hatte. Heute hat sich vieles geändert – Cannabis ist medizinisch anerkannt – und ich kann meinen Konsum besser kontrollieren.
Über einen Kontakt kam ich schließlich zur Diakonie. Anfangs hatte ich Angst, weil ich nicht wusste, was mich erwartet. Ich dachte, man wolle mich irgendwo „einsperren“. Doch das Gegenteil war der Fall: Ich bekam Unterstützung und Verständnis. Mit meiner Mutter verstehe ich mich inzwischen auch wieder besser. Sie hat mit ihrem neuen Partner noch ein Kind bekommen – meinen Halbbruder, der inzwischen 20 Jahre alt ist. Mit der Zeit habe ich viele Ängste entwickelt, die Außenstehende oft nicht nachvollziehen können. Wenn man lange ohne Zuhause war, hat man immer Angst, dass einem das Wenige, was man wieder aufgebaut hat, genommen wird – Möbel, Kleidung, Erinnerungen. Das Leben im Benedikt oder im Alderhorst ist für mich in Ordnung, aber man muss sich selbst antreiben. Ich sehe viele, die einfach nur „rumsitzen“ – ich will mehr vom Leben. Ich will mich nicht aufgeben. Ich will wieder arbeiten, wieder eine Wohnung – und das auch halten.
Manchmal wird mir aber alles zu viel. Ich habe Phasen, in denen ich Angst habe, dass mir alles über den Kopf wächst. Dann suche ich mir Hilfe, bevor ich abrutsche. Was mich zusätzlich stresst, ist die Bürokratie – die ganzen Briefe, Formulare, komplizierten Texte. Wenn man niemanden hat, der einem hilft, verliert man schnell den Überblick. Und ständig andere um Hilfe zu bitten, ist auch nicht leicht – da schwingt immer eine gewisse Scham mit.
Ich wünsche mir einfach ein normales Leben. Wieder arbeiten, reisen, vielleicht mal raus aus Deutschland – das wäre schön. Ich rate anderen: „Bleib am Ball, bring Routine in dein Leben, auch wenn’s schwer ist. Es kann nur besser werden – auf jeden Fall.“
Weiterlesen
-

Roswitha
-

Markus
-

Tatjana
-

Matthias