Marina kam 1993 aus Kasachstan nach Deutschland. Mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern hat sie Höhen und Tiefen durchlebt und dabei immer an der Familie festgehalten. Heute lebt sie mit ihren Hunden im Benedikt, wo sie ein sicheres Zuhause gefunden hat.

Mein Name ist Marina Karge, ich bin 42 Jahre alt und komme ursprünglich aus Kasachstan. 1993 bin ich mit meinen Eltern nach Deutschland gekommen. Damals konnte ich kaum Deutsch sprechen – nur ein paar Worte wie „Gabel“, „Messer“ oder „Ich heiße Marina“. In der Sowjetunion hatte meine Mutter mich schon auf eine Schule geschickt, in der ich ein bisschen Deutsch gelernt habe. Als wir hier ankamen, wohnten wir zunächst bei meiner Tante in Reppenstedt, bevor wir nach Kal-tenmoor gezogen sind. In Kaltenmoor bin ich dann zur Grundschule gegangen, anschließend in die Orientierungsstufe und auf die Hauptschule. Einen Abschluss habe ich allerdings nicht gemacht. Mit 17 Jahren habe ich meinen Mann kennengelernt und war ein Jahr später schwanger. 2001 kam unsere Tochter zur Welt. Mein Mann und ich suchten uns eine eigene Wohnung, wollten aber in der Nähe unserer Eltern bleiben. Sie haben uns mit den Kindern immer unterstützt. Mein Mann machte damals eine Ausbildung in Hamburg und wir bekamen vom Jobcenter Hilfe bei der Arbeitssuche. 2006 wurde unser Sohn in Bremen geboren – ein besonderes Kind, er hat das Down-Syndrom. Ich war lange in Elternzeit und wollte eigentlich wieder arbeiten, doch durch schlechten Umgang und falsche Freunde geriet ich zeitweise aus der Bahn. Zum Glück verdiente mein Mann genug, sodass wir unsere Wohnung halten konnten.

„Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe. Ein Dach über dem Kopf und einen Lebenspartner.“

Es wurde irgendwann zu viel, und wir entschieden uns, Therapie in Anspruch zu nehmen. Wir wollten aus unserem Umfeld heraus und zogen nach Bremen. Zwei Jahre lang klappte das, doch dann geriet die Situation erneut außer Kontrolle und wir kehrten nach Lüneburg zurück. Schweren Herzens entschieden wir uns, unsere Kinder vorübergehend zu unseren Eltern zu geben, um zu verhindern, dass sie uns vom Jugendamt weggenommen werden. Wir sprachen alles offen ab, konnten die Kinder aber weiterhin regelmäßig sehen und hatten Kontakt zu ihnen. Elf Jahre lang lebten mein Mann und ich in einer Wohnung in der Nähe des Krankenhauses. In dieser Zeit holten wir uns auch zwei Hunde, die mir unglaublich wichtig sind: Bagira, eine Olde English Bulldogge (6 Jahre), und Jenny, ein Zwergpinscher (11 Jahre). Mein Mann schenkte mir Jenny, und später kam Bagira dazu. Ich liebe Hunde über alles.

Im Laufe der Zeit sammelten sich allerdings viele Probleme an – Arbeitslosigkeit, Verantwortung für die Hunde und andere Herausforderungen – sodass wir die Wohnung verlassen mussten. Es dauerte eine Weile, bis wir etwas Neues fanden, und jetzt sind wir seit September 2025 im Benedikt. Das war zunächst ein großer Schock. Stell dir vor: 11 Jahre eigene vier Wände und plötzlich stehst du ohne Wohnung da. Wir kannten das Benedikt zwar schon, sprachen aber zunächst mit einem Streetworker, der uns sagte, dass wir hier aufgenommen werden, wenn wir nichts finden. So wohnen wir jetzt in einer WG, jeder hat sein eigenes Zimmer. Mein Mann, ich und unsere beiden Hunde fühlen uns hier wohl und wir kommen gut mit den anderen Bewohnern klar.

Wir suchen weiterhin nach einer eigenen Wohnung. Arbeit ist im Moment nicht möglich, körperlich und psychisch schaffe ich es derzeit nicht – das wurde mir auch von einem Arzt bestätigt. Ich beziehe bereits Erwerbsunfähigkeitsrente. Das Wichtigste für mich ist, dass es uns gut geht und wir am Leben sind. Ich bemühe mich, meine Sucht in den Griff zu bekommen, doch es ist nicht immer leicht. Ich gebe mein Bestes.

Wir würden gern Urlaub machen, doch das Geld reicht leider nicht. Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf. Ich bin dankbar, dass wir hier im Benedikt sind und nicht auf der Straße leben müssen – das gibt uns ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität, das wir dringend brauchen.

Weiterlesen