Patrik spricht offen über seine Vergangenheit, in der Cannabis und Lebenskrisen eine Rolle spielten. Trotz schwieriger Erfahrungen hat Patrik klare Ziele: eine eigene Wohnung, eine stabile Arbeit und ein Leben, in dem er wieder alles selbst bestimmen kann.
Hallo, ich bin Patrik, 31 Jahre alt, komme ursprünglich aus Leipzig und lebe jetzt in Lüneburg. Den größten Teil meiner Kindheit und Jugend habe ich in Norddeutschland verbracht und hier auch die Schule besucht. Ich habe eine Förderschule besucht und später auf einer Haupt-/Berufsschule meinen Abschluss nachgeholt. Danach habe ich bei verschiedenen Stellen gearbeitet, um mich zu orientieren und herauszufinden, was das Richtige für mich sein könnte. Zu Hause gab es den üblichen Stress: „Du musst Geld verdienen“, „Du hängst nur mit deinen Freunden rum“, „Du bist so lustlos“… das typische eben. Mit 15 habe ich angefangen, Cannabis zu rauchen. Einige Jahre später kamen Chemie, Amphetamine, LSD, Kokain dazu – das ganze Zeug. Letztlich bin ich aber bei Cannabis geblieben. Es hilft mir beim Einschlafen und schaltet die Probleme im Kopf aus. Außerdem ist es nicht so teuer wie andere Drogen – und wenn ich nichts habe, kann ich auch nichts rauchen. Klauen oder so mache ich nicht.
„Ein bisschen trinken oder feiern ist okay, alles darüber hinaus will ich nicht mehr.“
Insgesamt habe ich sechs Geschwister, teilweise von verschiedenen Vätern. Früher gab es auch Probleme mit meinem Vater – er hat getrunken und meine Schwester geschlagen. Zusammen mit meiner Mutter sind wir dann von Zuhause abgehauen. Nach der Schule wollte ich erstmal lockerer machen, ein halbes oder ganzes Jahr, dachte ich. Dabei bin ich dann geblieben. Irgendwann konnte meine Mutter das nicht mehr mitmachen und ich musste ausziehen. Ich habe eine Nachricht bekommen, dass meine Sachen gepackt sind und abgeholt werden können. Ich bin zu meinem älteren Bruder in der Nähe von Amelinghausen gezogen und habe bei ihm gewohnt. Später habe ich dann seine Wohnung übernommen und zwei Jahre alleine darin gelebt. Geld habe ich in dieser Zeit vom Jobcenter bekommen. Dann habe ich meine Freundin kennengelernt und bin zu ihr nach Lüneburg gezogen. Es gab Probleme mit ihrem Vater – er mochte mich nicht – und so habe ich die Wohnung wieder verlassen. Ich habe dann einen Bekannten um Hilfe gebeten, die ich auch bekommen habe, und bin zu ihm nach Oedeme gezogen. Das ging ein Jahr gut. Seit ungefähr einem Jahr lebe ich nun im Benedikt-Haus. Ich kannte das Benedikt schon, da mein Bruder schon einmal kurz hier war. Anfangs war es ziemlich stressig – der ganze Papierkram, die Termine. Das war eine Erkenntnis für mich, wo ich gerade in meinem Leben stehe. Ich habe mich erst einmal zurückgezogen und langsam den Kontakt zu anderen gesucht – das hat schnell gut geklappt. Nach einiger Zeit bin ich vom Benedikt ins Adlerhorst gezogen.
Dort habe ich auch eine neue Freundin kennengelernt. Sie akzeptiert, dass ich in einer Unterkunft wohne. Solange ich der Mensch bleibe, in den sie sich verliebt hat, ist alles gut. Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht zusammenziehen möchte, weil ich meine eigenen vier Wände brauche – das war für sie in Ordnung. Arbeiten gehe ich jetzt auch langsam wieder. Ich bin Lagerist. Wenn mich jemand zu meiner Situation fragt, gehe ich offen damit um. Ich verheimliche nichts, lüge nicht – warum auch? Ich stehe zu mir und das ist gut so. Mich fallen zu lassen wäre das Dümmste. Die Struktur durch den Job oder die Termine hält mich auf der Geraden – das will ich nicht verlieren.
Ich achte auch darauf, dass in meinem Umfeld nicht mehr alle übertreiben. Ein bisschen trinken oder feiern geht in Ordnung, aber alles, was darüber hinausgeht, will ich nicht. Mein Alltag sieht momentan so aus: Ich schlafe bis zwischen 10 und 12 Uhr, spiele viel auf der Xbox – das gibt mir einen guten Ausgleich. Mit Konsolen bin ich aufgewachsen, sie begleiten mich schon mein ganzes Leben. Ich habe schon öfter überlegt, sie zu verkaufen, aber bisher ist es noch nicht passiert. Ich gehe auch viel raus, spazieren, treffe Leute. Zuerst muss ich meine Verhältnisse klären. In meiner Anfangszeit in Lüneburg habe ich mich ein wenig ausgelebt, auch im Liebesleben, und das muss ich jetzt geradeziehen.
Rückblickend hätte ich einiges anders gemacht. Vor allem Drogen und Sucht hätten mir viel erspart. Ich habe Glück, dass ich nie im Gefängnis gelandet bin – meine Akte sieht trotzdem nicht gut aus. Aber heute versuche ich immer, das Beste aus meiner Situation zu machen. Jedes Mal, wenn ich wieder in Obhut bin, sage ich mir: Tiefer will ich nicht fallen – und trete mir selbst in den Hintern.
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