Als gebürtiger Lüneburger, lebt er seit einem Vierteljahrhundert im Benedikt. Sein Leben war geprägt von einer schwierigen Kindheit, dem frühen Kontakt mit Alkohol und immer wieder dem Versuch, seinen Platz im Leben zu finden. 

Mein Name ist Markus und ich wohne mittlerweile seit 25 Jahren hier im Benedikt – in der ersten Etage, da wo die HSV-Fahne am Fenster hängt, die man gar nicht übersehen kann. Ich bin 47 Jahre alt und komme ursprünglich aus Lüneburg. Meine Eltern hatten damals Probleme mit Alkohol und so wurden wir, meine beiden Schwestern und ich, unseren Eltern weggenommen und kamen zunächst in ein Heim und später zu einer Pflegefamilie. Unsere Eltern durften uns besuchen und das haben sie auch regelmäßig gemacht. Wie ich in der Schule war, weiß ich heute nicht mehr genau, aber ich denke, dass ich kein schlechter Schüler war. Ich war in der Grundschule in Bars-kamp und später in Scharnebeck. Dann sind wir eine Zeitlang in den Süden Deutschlands gezogen, wo ich auf eine Waldorfschule gegangen bin. Ansonsten verlief meine Kindheit ohne größere Vorkommnisse – zumindest auf den ersten Blick.

„Ich bin Lüneburger durch
und durch. Hier bin ich geboren,
hier will ich auch bleiben.“

Nach der Schulzeit wurde ich zum Bund eingezogen und musste zur Musterung, um meine Tauglichkeit feststellen zu lassen. Ich war topfit und wurde T1 gemustert. Dort, in Munster, begann dann auch meine Geschichte mit dem Alkohol – und zwar in einem Ausmaß, das ich heute nur schwer beschreiben kann. In dieser Zeit habe ich auch versucht, mir das Leben zu nehmen. Das, was in meiner Kindheit passiert ist, ist wohl doch nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Ich legte mich auf die Gleise und wollte nicht mehr weitermachen. Die anderen Rekruten hatten herausgefunden, dass ich ein Heimkind war und mobbten mich massiv. Ich konnte das kaum aushalten und wartete auf den Zug, doch das Gleis war stillgelegt. Die Bahnpolizei fand mich und brachte mich zurück in die Kaserne.

Vor meiner Zeit beim Bund hatte ich eine Malerlehre in Gifhorn bei den Diakonischen Betrieben in Kästorf begonnen. Dort hatte ich leider Pech: Durch die starken Gerüche von Lacken und Farben wurde mir schwindelig und ich stürzte von einem drei Meter hohen Gerüst. Zum Glück ist mir nichts Schlimmes passiert, aber es war ein halbes Jahr vor meiner Abschlussprüfung – und so musste ich die Ausbildung abbrechen. Danach habe ich mich mit ABM-Maßnahmen (Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen) durchgeschlagen und hatte immer wieder eigene Wohnungen, hier und da. Aber ich bin, leider muss ich es so sagen, wie meine Eltern: Ich bin ein Messi, sammle gerne Dinge und jeder weiß, dass das in einer Wohnung nicht gut ankommt. Irgendwann wurde ich deshalb wieder aus meiner Wohnung verwiesen und kehrte zurück nach Lüneburg, meiner Heimat. Zuerst war ich im Wohnhaus Lüner Damm, einer weiteren Wohneinrichtung der Diakonie, doch dort blieb ich nur kurz. Schließlich kam ich ins Benedikt, wo ich nun schon eine lange Zeit lebe und Grundsicherung beziehe.

Ich habe ein großes Problem mit Alkohol, das gebe ich offen zu. Andere Dinge habe ich ausprobiert, aber das war nichts für mich. Ich trinke, um meine innere Unruhe zu beruhigen und ein wenig Ruhe in meinen Kopf zu bekommen. Mittlerweile habe ich wieder Kontakt zu meinen Eltern. Das läuft mal besser, mal schlechter. Mit meiner Mutter telefoniere ich regelmäßig, wir reden viel und bei meinem Vater bin ich auch hin und wieder, aber es funktioniert nicht richtig zwischen uns. Wir trinken beide zu viel und haben beide psychische Probleme – eine Kombination, die nicht einfach ist.

Fußball ist mir wichtig. Ich bin HSV-Fan – aber es fällt mir schwer, die Spiele zu verfolgen. Mein Fernseher ist zu alt, und einen neuen kann ich mir nicht leisten. Musik ist ebenfalls ein großer Teil meines Lebens: Ich bin Böhse-Onkelz-Fan, war schon auf einem ihrer Konzerte und habe ein Tattoo von ihnen. Ihre Musik höre ich regelmäßig, sie gibt mir Halt und Kraft. Ich glaube, dass ich den Rest meines Lebens wohl im Benedikt verbringen werde. Ich bin hier Mieter über die Wohnraumhilfe und habe eine gesetzliche Betreuerin, die sich um meine Angelegenheiten kümmert. Allein könnte ich das nicht schaffen.

Die Sozialarbeiter hier sind gut zu allen und man bekommt Hilfe, wenn man bereit ist, sie anzunehmen. Mein größter Wunsch ist einfach, noch ein bisschen am Leben zu bleiben und die Zeit, die mir bleibt, zu nutzen. Ich fühle mich sicher hier, verstanden und nicht allein.

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